Gefahren der Gentechnik für die biologische Vielfalt 

Auskreuzung

Die Freisetzung von gentechnisch veränderten Pflanzen birgt die Gefahr, dass die neu hinzugefügten Gene an wilde Verwandte oder Kulturpflanzen benachbarter Felder weitergegeben werden. Diese Befürchtungen wurden in Mexiko bereits wahr. Wissenschaftler entdeckten in traditionellen Maissorten die für gentechnisch veränderte Sorten typischen Gensequenzen.(1) Als wahrscheinlichste Quelle für die Verunreinigung gelten die unkontrollierten Maisimporte aus den USA, wo etwa ein Viertel der Maisernte gentechnisch verändert ist. Die über Jahrtausende in Mexiko gezüchtete Vielfalt an Maissorten ist dadurch bedroht.

Da gentechnisch veränderte Pflanzen keinen 'natürlichen Lebensraum' haben, kann ihre Freisetzung mit dem Einbringen einer fremden Art in ein Ökosystem gleichgesetzt werden. Natürlich vorkommende Arten werden dadurch möglicherweise verdrängt. Da sie mit bestimmten zusätzlichen Eigenschaften ausgestattet sind, die sie z.B. vor Schädlings- oder Krankheitsbefall schützen, ist nicht auszuschließen, dass sie sich gegenüber anderen Arten durchsetzen und so natürliche Lebensgemeinschaften aus dem Gleichgewicht bringen. zurück

Gefahren für die Landwirtschaft

Die Aussaat von gentechnisch veränderten Pflanzen stellt eine Bedrohung für die Sortenvielfalt in der Landwirtschaft dar. Wenige Hochleistungssorten, die mit speziellen Eigenschaften ausgestattet werden, dominieren weltweit den Anbau in der Landwirtschaft. Lokal angepasste Sorten, deren Erträge häufig geringer sind, und ihre vielfältigen Eigenschaften geraten in Vergessenheit. Im Gegensatz zu artenreichen, ökologisch verträglichen Anbaumethoden, fördert Gentechnik in der Landwirtschaft den Anbau von artenarmen Monokulturen.

Die genetische Vielfalt unserer Nahrungspflanzen gilt als Garant für langfristige Nahrungssicherheit und -stabilität. Der kleine Genpool von Monokulturen dagegen erhöht die Anfälligkeit der Pflanzungen für Krankheiten und Schädlinge. Es gibt zahlreiche Beispiele die belegen, dass ein katastrophaler Schädlingsbefall von Kulturpflanzen langfristig verhindert werden kann, wenn andere Unterarten oder wilde Verwandte eingekreuzt werden. Um die Sorten mit den entsprechenden Eigenschaften zu finden, wird das Wissen von Kleinbauern und indigenen Völkern benötigt, welche die Kulturpflanzen seit langem nutzen und ihr Wissen über deren spezielle Eigenschaften seit Generationen weitergeben. Diese Möglichkeiten gehen mit dem Wissen der Kleinbauern und dem Verlust lokal angepasster Arten unwiederbringlich verloren. zurück

Von Gentechnikkonzernen wird häufig propagiert, dass die Nutzung von Pflanzen, die gegen Unkrautvernichtungsmittel resistent sind, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren würde und so eine erhebliche Entlastung der Umwelt erreicht wird. Eine in den USA durchgeführte Untersuchung zum Anbau gentechnisch veränderter Roundup Ready Soja kam jedoch zu dem Ergebnis, dass insgesamt 30% mehr Herbizide zum Einsatz kamen als im Anbau konventioneller Sojabohnenarten und dass es zu Ernteeinbussen zwischen fünf und zehn Prozent kam.(2)   zurück

Gleichzeitig sind in Kanada erste Rapspflanzen aufgetaucht, die durch Auskreuzung von gentechnisch veränderten Sorten mehrfache Herbizidresistenzen aufweisen.(3) Diese "Superunkräuter" können nur durch den Einsatz stärkerer Herbizide oder mit Herbizidcocktails bekämpft werden.

In den letzten Jahren gab es verschiedene Berichte über das Versagen von gentechnisch veränderten Pflanzen, für das es keine Erklärungen gibt. So kam es im Jahr 1997 bei der herbizidresistenten Baumwolle von Monsanto zu erheblichen Ernteverlusten im Wert von 0,5-1 Mio. US Dollar.(4) zurück

Verwendete Literatur
1. Quist D. et al. (2001) Transgenic DNA introgresses into traditional maize varieties. Nature Vol. 414: 541-543.
2. Benbrook C. (2001) Troubled Times amid commercial success for Roundup Ready Soybeans. The Northwest Science and Environmental Policy Center Idaho.
3. Hall L. et al. (2000) Pollen flow between herbicide-resistant Brassica napus is the cause of multiple-resistant B. napus volunteers. Weed Science 48: 688-694.
4. Union of Concerned Scientists (1997) The Gene Exchange.